Durch das jüdische Jahr 5778 – Terminplaner 2017/18

Durch das jüdische Jahr 5778 – Terminplaner 2017/18

„Schon vor dreieinhalb Jahrtausenden erging an Israel der Auftrag, Gott ein Heiligtum zu errichten. Natürlich nicht um Gottes Gegenwart darin zu verorten, sondern diese inmitten des Volkes zu veranschaulichen.“¹

Dieses Heiligtum, genannt Ohel Mo’ed war eine mobile Zeltkonstruktion, da das Heiligtum auf der Wüstenwanderung auf- und abbaubar sein musste. Ohel bedeutet Zelt, also ein auf Zeit errichteter Ort, der offen und einladend war. Mo’ed bedeutet Zeit oder Anlass auch ein besonderer, also Fest oder auch Feiertag.

Dieses temporäre Heiligtum wies damals den Bnej Jisrael, dem Volk Israel den moralisch ethischen Weg für das Zusammenleben, denn in ihm wurden die 10 Worte auf den steinernen Tafeln aufbewahrt, die Mosche auf dem Berge von Gott erhalten hatte. Diese Lebensregeln, die Mitzwot, also Ge- und Verbote sollten nach Gottes Anweisung immer im Zentrum des öffentlichen Lebens zu finden sein.

Der allerheiligste Ort war zwar der Allgemeinheit nicht zugänglich, das Volk musste ja die respektvolle Ehrfurcht vor dem Ewigen erst allmählich lernen. So gab es damals ausgewählte Menschen, die allein diesen Zugang hatten. Dennoch war allein die Existenz des Heiligen inmitten des Volkes im seinem Bewusstsein von so großer Bedeutung, dass bis zum heutigen Tag die Kotel, die Westmauer des Tempels immer noch diesen Hauch des Heiligen für alle Juden hat.

Auch wenn das Heiligtum als Gebäude nicht mehr existiert. An seine Stelle sind die Gebetshäuser getreten, die Versammlungshäuser also die Synagogen. Auch sie wurden reich geschmückt oder besonders gestaltet, damit die Gegenwart Gottes für die Menschen einen anschaulichen Ort für die Zusammenkunft im Gebet hat.

Synagogen, Versammlungshäuser waren immer Ausdruck der Gemeinschaft. Auch wenn sie im Laufe der Geschichte des jüdischen Volkes unterschiedlichen Zwecken dienten, hatten sie doch immer eine gemeinschaftsfördernde Bedeutung. Vom Ohel Mo’ed, dem Stiftszelt zum Beit haMikdasch dem Tempel in Jerusalem geht der Weg zu den Batej Knesset, den Synagogen in der Welt.

Gott verlangte von den Menschen ihren Anteil für die Errichtung des Heiligtums zu entrichten und es gelang fast immer, Spenden in jeder Form für diese Wohnungen zu sammeln, damit zunächst das Stiftszelt, später der Tempel und in der Folge die Synagogen besondere Orte werden konnten. Gott weiß, dass die Menschen für alles Erinnerungen benötigen, damit der Gottesdienst, das Gebet auch ständig einen wichtigen Platz im Bewusstsein der Menschen behält. Daher heißt es in der Tora im Abschnitt Truma:
„Und der Herr sprach zu Moses: ‚Sage den Kindern Israels, sie sollen eine Gabe für mich erheben; von einem jeden, den sein Herz dazu treibt. … Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, dass ich mitten unter ihnen wohne’… Die Kinder Israels folgten diesem Aufruf mit beispielhafter Großzügigkeit, … und sie gaben freiwillig, also ohne jeden Zwang.“²

Im Laufe der Geschichte gab es verschiedenste Entwicklungen für diesen Gebetsort. Das liberale Judentum, welches in Deutschland vor 200 Jahren entstand, ging in seiner ursprünglichen Entwicklung so weit, dass die Gebetsorte nun sogar Tempel genannt wurden. Damit auch in der Bezeichnung klar wurde, dass das Volk Israel ein Volk von Priestern ist, welches seine Gemeinschaft im Gebet in einem heiligen Ort feiert.

Heute gibt es in Deutschland die Bezeichnung Tempel für eine Synagoge nicht mehr. Durch die Scho’a ist hier ein so brutaler Schnitt gemacht worden, dass das Wiederaufleben jüdischen Lebens in Deutschland anderen Regeln folgte. Seitdem es hier auch wieder liberale, moderne jüdische Gemeinden gibt, war auch die Notwendigkeit für die Menschen einen eigenen Mischkan, also eine Wohnung zu errichten, die das Gefühl des Heiligen für die Menschen darstellen kann. Auch Gemeinden der Union progressiver Juden in Deutschland haben nun eigene Wohnstätten, in denen gemeinsam der Dienst also das Gebet begangen werden kann. Hameln hat am Ort der alten Synagoge eine neue bauen können. Bielefeld, Hannover und Unna haben ehemalige Kirchengebäude zur eigenen Nutzung umgebaut. Göttingen hat ein altes Synagogengebäude für eine neue Gemeinde translozieren können, während in Felsberg eine ehemalige Synagoge nun wieder ihre ursprüngliche Funktion vor Ort zurückerhalten konnte. Bad Segeberg hat in einem alten Gebäude eine schöne, moderne Synagoge errichten können. Pinneberg hat ein eigenes Gebäude erwerben können. Wie unterschiedlich die Gebäude auch sein mögen für sie alle gilt das Wort Bil’ams: Ma towu ohalecha Jaakov, mischkenotecha Jisrael. Wie schön sind deine Zelte Jakob, deine Wohnungen Israel.³ Der Geist Gottes möge sie erfüllen so dass für die Gemeinden das Gefühl der Gegenwart des Heiligen in ihrem Leben auch in einem Gebäude spürbar sein kann.

Paul Yuval Adam
Enger/Jerusalem im Siwan 5777, Juni 2017

¹ Beit Tikwa, Aus einer Kirche wird eine Synagoge, Grußwort von Landesrabbiner em. Dr. Henry G. Brandt Enger 2015
² Henry G. Brandt, Süßer als Honig, Enger 2007, S.66
³ Bamidbar/Numeri 24,5

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