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Der Schabbat: Seine Bedeutung für den heutigen Menschen

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Übersetzung: Ruth Olmesdahl

Broschiert: 79 Seiten
Erschienen: 1990

Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-934658-87-5

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Art.-Nr.: 978-3-934658-87-5 Kategorie: Schlüsselworte: , , , Produkt-ID:2062

Produktbeschreibung

Die Bedeutung des Sabbats ist, die Zeit zu feiern und nicht den Raum. Sechs Tage der Woche leben wir unter der Tyrannei der Dinge des Raums; am Sabbat versuchen wir uns einzustimmen auf die Heiligung der Zeit. An diesem Tag sind wir aufgerufen, Anteil zu nehmen an dem, was ewig ist in der Zeit, uns vom Geschaffenen dem Geheimnis der Schöpfung selbst zuzuwenden, von der Welt der Schöpfung zur Schöpfung der Welt.

Prolog: Die Architektur der Zeit

Mit der Technik hat der Mensch den Raum erobert. Dieser Triumph wurde häufig nur dadurch errungen, dass der Mensch einen wesentlichen Teil seiner Existenz opferte, nämlich die Zeit. Im Bereich der Technik verbrauchen wir Zeit, um Raum zu gewinnen. Unser Hauptziel ist, unsere Macht in der Welt des Raumes auszuweiten. Aber mehr haben heißt noch nicht mehr sein! Die Macht, die wir in der Welt des Raumes erlangen, endet plötzlich an der Grenze der Zeit. Zeit aber ist das Herz der Existenz.[1]

Es ist sicherlich eine unserer Aufgaben, Herrschaft über die Welt des Raumes zu erlangen. Gefährlich wird es, wenn wir beim Gewinn von Macht im Reich des Raumes alle Bemühungen im Reich der Zeit aufgeben. Im Reich der Zeit ist das Ziel nicht haben, sondern sein, nicht besitzen, nicht beherrschen, sondern teilen, nicht unterdrücken, sondern Solidarität üben. Das Leben verläuft falsch, wenn die Beherrschung des Raumes, der Erwerb der Dinge des Raumes, unser einziges Anliegen ist.

Nichts ist nützlicher als Macht, aber auch nichts schrecklicher. Oft haben wir unter der Erniedrigung durch Armut gelitten, jetzt droht uns die Erniedrigung durch Macht. Seine Arbeit lieben bedeutet Glück; den Profit lieben bedeutet Elend. Viele Herzen und Krüge werden am Brunnen des Profits zerbrochen. Wenn der Mensch sich als Sklave an die Dinge verkauft, wird er zum Gefäß, das am Brunnen zerbrochen wird.

Die Technik erwächst in erster Linie aus dem Verlangen des Menschen, die Kräfte der Natur zu unterwerfen und in den Griff zu bekommen. Die Herstellung von Werkzeugen, die Kunst des Spinnens — alles dies spielt sich in der räumlichen Umgebung des Menschen ab. Der Geist ist völlig von Dingen des Raumes eingenommen, und diese bestimmen bis zum heutigen Tage alle Tätigkeiten des Menschen. Sogar die Religionen werden häufig von der Vorstellung beherrscht, dass die Gottheit im Raum wohnt, an bestimmten Orten wie Bergen, Wäldern, Bäumen oder Steinen, die daher als »heilige Orte« ausgesondert sind; die Gottheit ist an ein bestimmtes Land gebunden, und Heiligkeit ist eine Eigenschaft, die mit Dingen des Raumes assoziiert wird, und die Hauptfrage ist: Wo ist der Gott? Der Gedanke, dass Gott im Universum gegenwärtig ist, wird begeistert aufgegriffen; aber dieser Gedanke wird so verstanden, dass Er im Raum präsent ist, nicht aber in der Zeit; zwar in der Natur, aber nicht in der Geschichte; als wäre Er eine Sache und nicht Geist.

Selbst die pantheistische Philosophie ist eine Religion des Raumes; das höchste Wesen ist als unendlicher Raum gedacht. »Deus sive natura« hat Ausdehnung, Raum zum Attribut, nicht Zeit; für Spinoza ist Zeit lediglich ein Akzidens der Bewegung, eine Denkkategorie. Und der Wunsch, eine Philoshopie more geometrico zu entwickeln, nach der Art der Geometrie, die ja eine Wissenschaft des Raumes ist, ist bezeichnend für seine geistige Fixierung auf den Raum.

Der primitive Geist hat Schwierigkeiten, einen Gedanken ohne die Hilfe von Bildern zu erfassen, und die Phantasie hat gerade im Raum ihren Herrschaftsbereich. Sie muss ein sichtbares Abbild der Götter haben; wo kein Bild ist, da ist auch kein Gott. Die Verehrung des heiligen Bildes, des heiligen Zeichens oder Ortes, gehört nicht nur zum Grundbestand der meisten Religionen, sie hat sich bei Menschen jeden Alters und aller Völker gehalten, bei frommen, abergläubischen und sogar anti-religiösen. Sie alle verehren weiterhin Banner und Flaggen, Nationalheiligtümer und Denkmäler von Königen und Helden. Überall wird die Entweihung von Heiligtümern als Sakrileg betrachtet, und das Heiligtum kann so wichtig werden, dass die Idee, für die es steht, darüber in Vergessenheit gerät. Das Denkmal fördert das Vergessen, das Mittel macht das Ziel zunichte. Denn die Dinge des Raumes sind dem Menschen in die Hände gegeben. Zwar sind sie zu heilig, um befleckt, aber nicht zu heilig, um ausgebeutet zu werden. Um das heilige festzuhalten, die Präsenz Gottes auf Dauer zu garantieren, wird sein Bild gestaltet. Aber ein Gott, den man bilden kann, ein Gott, den man eingrenzen kann, ist nur ein Schatten des Menschen.

Wir alle sind vom Glanz des Raumes und von der Größe der Dinge de Raumes berauscht. Das Ding ist eine Kategorie, die schwer auf unserem Geist lastet und unser ganzes Denken beherrscht. Unsere Phantasie neigt dazu, alle Vorstellungen nach diesem Bild zu gestalten. Im täglichen Leben befassen wir uns vorrangig mit dem, was unsere Sinne uns vermitteln: was die Augen sehen, die Finger berühren. Realität ist für uns Dinghaftigkeit, sie besteht aus Materie, die Raum einnimmt. Selbst Gott wird von den meisten Menschen als ein Dinge vorgestellt. Die Folge unserer Gebundenheit an die Dinge ist unsere Blindheit für alle Realität, die sich nicht als Dinge, als Tatsachen erweisen. Das wird deutlich in unserem Zeitverständnis, denn die Zeit ist nicht dinghaft und materiell, deshalb erscheint es uns, als habe sie keine Realität.[2]

[1] Vgl. A. J. Heschel, Man is Not Alone. A Philosophy of Religion, 1951, S. 200 (in Vorb. im Neukirchener Verlag).

[2] Bertrand Russel sagt, dass Zeit »ein unwichtiges und oberflächliches Charakteristikum der Wirklichkeit ist … Eine gewisse Emanzipation von der Versklavung an die Zeit ist für das philosophische Denken notwendig … Die Erkenntnis, dass die Zeit ganz unwichtig ist, ist das Tor zur Weisheit« (Our Knowledge of the External World, S. 166f).

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